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NEIN zur Chaos-Initiative

17. Apr 2026
Autor: Daniel Probst, SOHK

Der Vorstand der Solothurner Handelskammer empfiehlt, die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» abzulehnen. Der vorgeschlagene starre Bevölkerungsdeckel ignoriert die demografische Realität, verschärft den Fachkräftemangel und gefährdet den bilateralen Weg mit der Europäischen Union. Für die exportorientierte Wirtschaft und das Gewerbe im Kanton Solothurn wäre dies ein Rückschlag.

Die Initiative verlangt, dass die Wohnbevölkerung der Schweiz bis 2050 die Grenze von zehn Millionen Personen nicht überschreiten darf. Bereits ab einer Bevölkerung von 9,5 Millionen müssten Bund und Parlament Massnahmen ergreifen, damit diese Obergrenze nicht erreicht wird. Wird die Marke überschritten, müssten internationale Abkommen neu verhandelt oder nötigenfalls gekündigt werden. Damit würde faktisch auch die Personenfreizügigkeit mit der Europäischen Union infrage gestellt.

Starre Zahl statt pragmatischer Steuerung

Für Wirtschaft und Arbeitsmarkt wäre ein solcher Automatismus problematisch. Die Initiative schreibt eine fixe Zahl in die Verfassung, ohne die wirtschaftliche Entwicklung, die demografische Situation oder den tatsächlichen Bedarf des Arbeitsmarktes zu berücksichtigen. Entscheidend ist nicht eine politisch festgelegte Bevölkerungszahl, sondern ob Unternehmen genügend Fachkräfte finden, ob Infrastruktur und Versorgung funktionieren und ob die Schweiz als Standort verlässlich bleibt.

Eine starre Obergrenze würde den politischen Handlungsspielraum stark einschränken. Statt einer flexiblen Steuerung der Zuwanderung drohte ein starres System, das weder den Bedürfnissen der Wirtschaft noch den gesellschaftlichen Realitäten gerecht wird.

Demografischer Wandel verschärft den Fachkräftemangel

Die Initiative blendet aus, dass die Schweiz in einer Phase der demografischen Alterung steht. Schon heute gehen mehr Menschen in Pension, als junge Erwerbstätige nachrücken. Gleichzeitig sind viele Branchen auf qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen, etwa im Gesundheitswesen, in der Industrie, im Bau, in der Gastronomie oder in der IT. Ohne Zuwanderung drohen zusätzliche Engpässe.

Auch der Kanton Solothurn ist davon direkt betroffen. Industrie, Bau und Gewerbe spielen eine wichtige Rolle für Beschäftigung und Wertschöpfung. Wenn qualifizierte Fachkräfte fehlen, betrifft das nicht nur einzelne Betriebe, sondern ganze Wertschöpfungsketten.

Arbeitskräftezuwanderung ist Teil der Lösung

Ein grosser Teil der Personen, die im Rahmen der Personenfreizügigkeit aus der EU in die Schweiz kommen, tritt direkt in den Arbeitsmarkt ein. Viele verfügen über eine hohe Qualifikation und arbeiten in Bereichen, in denen Fachkräfte besonders gesucht sind. Ohne diese Arbeitskräfte würde der Fachkräftemangel deutlich stärker spürbar.

Davon profitieren auch Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt. Zugewanderte Fachkräfte tragen zur Innovationsfähigkeit der Unternehmen bei, sichern Arbeitsplätze und leisten einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung. Gerade für exportorientierte Branchen und technologiegetriebene KMU ist der Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften ein zentraler Standortfaktor.

Gefahr für AHV und Sozialwerke

Der Bevölkerungsdeckel hätte nicht nur Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, sondern auch auf die Finanzierung der Sozialwerke. Zugewanderte Erwerbstätige sind im Durchschnitt jünger als die bestehende Bevölkerung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung der Altersvorsorge. Wenn die Zahl der Erwerbstätigen sinkt, während gleichzeitig immer mehr Menschen in Pension gehen, verschlechtert sich das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentenbezügern.

Risiken für den bilateralen Weg

Besonders kritisch ist aus Sicht der Wirtschaft das Risiko für die Beziehungen zur Europäischen Union. Die Initiative zielt letztlich auf eine Kündigung der Personenfreizügigkeit ab. Damit würde auch das Paket der Bilateralen I aufs Spiel gesetzt. Die daraus entstehende Unsicherheit würde Investitionen bremsen und die Planungssicherheit für Unternehmen erheblich beeinträchtigen.

Die EU ist mit Abstand der wichtigste Handelspartner der Schweiz. Gerade exportorientierte Regionen wie der Kanton Solothurn sind stark in europäische Wertschöpfungsketten eingebunden. Zusätzliche Handelshemmnisse oder rechtliche Unsicherheiten würden besonders technologiegetriebene KMU treffen. Für viele Unternehmen im Kanton Solothurn sind stabile Beziehungen zum europäischen Markt daher von zentraler Bedeutung.

Breite Ablehnung in Wirtschaft und Gewerbe

Die Initiative wird nicht nur von der Solothurner Handelskammer abgelehnt. Auch die grossen nationalen Wirtschaftsverbände sprechen sich klar dagegen aus. Sowohl economiesuisse als auch der Schweizerische Gewerbeverband warnen vor den negativen Folgen eines starren Bevölkerungsdeckels für Arbeitsmarkt, Wohlstand und Standortqualität.

Der Vorstand des IHVO empfiehlt analog der Solothurner Handelskammer deshalb ein NEIN zur Chaos-Initiative. Die Schweiz braucht keine starre Obergrenze für ihre Bevölkerung, sondern stabile Beziehungen zu ihren wichtigsten Handelspartnern, verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen und eine pragmatische Steuerung der Zuwanderung.

 

https://www.nein-chaos.ch/ 

 



Solothurner Handelskammer lanciert «Bürokrat-o-mat»

18. Feb 2026
Autor: Daniel Probst

Mit dem «Bürokrat-o-mat» stellt die Solothurner Handelskammer (SOHK) der Wirtschaft ein neues digitales Instrument zur Verfügung, um bürokratische Hürden aus dem Geschäftsalltag einfach und strukturiert zu melden. Unternehmen können damit konkrete Beispiele aus ihrer Praxis einbringen und so aufzeigen, wo administrative Vorgaben unverhältnismässigen Auf-wand verursachen. Ziel ist es, faktenbasierte Rückmeldungen zu bündeln und den Bürokratie-Abbau gemeinsam mit Politik und Verwaltung gezielt voranzutreiben.

Administrative Auflagen und komplexe Verfahren führen bei vielen Unternehmen zu zusätzlichem zeit-lichem und finanziellem Aufwand. Mit dem neuen Online-Tool schafft die SOHK eine unkomplizierte Möglichkeit, entsprechende Erfahrungen systematisch zu erfassen und sichtbar zu machen.

Bürokratie beschäftigt Unternehmen am stärksten

Regulatorische Vorgaben stellen für viele Betriebe eine zunehmende Belastung dar. Im Sorgenbaro-meter der Solothurner Wirtschaft belegte das Thema «Bürokratie und Vorschriften» in den Jahren 2024 und 2025 den ersten Platz, noch vor Konjunktur, Kostenentwicklung und Fachkräftemangel.

Auch auf politischer Ebene ist das Thema präsent. Im Dezember 2025 haben 40 Mitglieder der Parla-mentarischen Gruppe Wirtschaft + Gewerbe im Kantonsrat einen fraktionsübergreifenden Auftrag zum Abbau übermässiger Bürokratie, Regulierung und administrativer Belastungen eingereicht.

Konkrete Rückmeldungen aus der Praxis

Mit dem «Bürokrat-o-mat» können Unternehmen administrative Hürden direkt erfassen, etwa bei Be-willigungsverfahren, Meldepflichten oder Dokumentationsanforderungen. Die Eingaben werden von der SOHK ausgewertet und anonymisiert zusammengefasst. Sie dienen als Grundlage für Gespräche mit Politik und Verwaltung sowie für gezielte Vorschläge zur Entlastung der Unternehmen.

Die Idee basiert auf einem bereits bewährten Modell der Industrie- und Handelskammer Zentral-schweiz (IHZ), das für den Kanton Solothurn weiterentwickelt und angepasst wurde.

Niederschwelliges Angebot für alle Branchen

Unter Bürokratie leiden insbesondere kleine und mittlere Unternehmen. Der «Bürokrat-o-mat» ist des-halb bewusst einfach aufgebaut und ohne grossen Zeitaufwand nutzbar. Das Angebot richtet sich an Unternehmen sämtlicher Branchen und ergänzt die bestehende politische Arbeit der Handelskammer.

Mit der Lancierung des Tools will die SOHK den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Verwal-tung stärken. Ziel ist es, praxisnahe Lösungen zu fördern und die Rahmenbedingungen für Solothur-ner Unternehmen laufend zu verbessern.

Der «Bürokrat-o-mat» ist ab sofort online verfügbar unter: https://sohk.ch/buerokratomat

Auskünfte erteilt:

Daniel Probst Direktor Solothurner Handelskammer
M 079 645 61 01


Beitritt zum Solothurner Komitee «NEIN zum Klima-Schuldenfonds»

2. Feb 2026
Autor: Daniel Probst, Direktor Solothurner Handelskammer

Das Solothurner Komitee «NEIN zum Klima-Schuldenfonds» hat seine Medienmitteilung zur eidgenössischen Volksabstimmung vom 8. März 2026 veröffentlicht. 
Das Komitee lehnt die Klimafonds-Initiative ab. Vorgesehen sind jährliche Einzahlungen des Bundes von 0,5 bis 1 Prozent des Bruttoinlandprodukts in einen neuen Fonds, was heute rund 4 bis 8 Milliarden Franken entspricht. Diese Mittel sollen ausserhalb der Schuldenbremse gesprochen werden und wären unabhängig von der wirtschaftlichen Lage zu leisten.
Wir laden Sie ein, diese Haltung zu unterstützen und dem Solothurner Komitee «NEIN zum Klima-Schuldenfonds» beizutreten. Je breiter das Komitee abgestützt ist, desto stärker ist das Signal aus Wirtschaft und Gewerbe.
Der Beitritt ist unter folgendem Link möglich:

 

https://www.solothurner-komitee.ch/klimafonds-nein

 

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Daniel Probst
Direktor
Solothurner Handelskammer
Grabackerstrasse 6 | 4500 Solothurn
T +41 32 626 24 24 | M +41 79 645 61 01 | F +41 32 626 24 26
daniel.probst@sohk.ch | www.sohk.ch | www.praxis-akademie.ch

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form3D: Ausbildungszentrum für additive Fertigung

22. Jan 2026
Autor: Monika Meier

In Bettlach entsteht mit form3D ein neues Ausbildungszentrum für additive Fertigung. Der Verein bietet praxisnahe Schulungen und Weiterbildungen im Metall- und Kunststoff‑3D‑Druck an – entwickelt für Unternehmen, Fachkräfte und Bildungsinstitutionen.
Dank der unmittelbaren Nähe zum nationalen Kompetenzzentrum Swiss m4m Center erhalten Kursteilnehmendewährend der Schulung direkte Einblicke in die industrielle Produktion additiver gefertigter Bauteile.
Wenn Sie sich für den Einsatz von 3D‑Druck in Ihrem Unternehmen interessieren oder Fachkräfte gezielt weiterbilden möchten, lohnt sich ein Blick auf das Angebot von form3D.

Wir laden Sie ein, dieses neue Angebot kennenzulernen und bei Interesse den direkten Austausch mit form3D zu suchen.

 

info@form-3D.ch | www.form-3D.ch | 032 645 00 24

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Grenzen verschieben zwischen Gischt und Geschäft

10. Nov 2025
Autor: Foto und Text: Reto Spiegel

Ein mitreissender Blick über den Tellerrand des Alltags – und weit darüber hinaus: Der Industrie- und Handelsverein Region Olten lud zur traditionellen Herbstversammlung, und mit Oliver Heer berichtete einer der profiliertesten Schweizer Hochseeprofis aus erster Hand, wie man allein, nonstop und ohne externe Hilfe die Welt umsegelt – und warum Spitzenleistungen auf dem Ozean und im Unternehmertum mehr gemeinsam haben, als man denkt.

Schon in der Begrüssung spannte Urs Nussbaum den Bogen vom seinerzeitigen „Herminator“ der Skipisten zum Siegeszug von Alinghi und zur Faszination Hochsee: Entscheidungen unter Unsicherheit, kalkulierte Risiken, klare Strategien – und die Fähigkeit, aus widrigen Winden Vortrieb zu machen. „Es sind stets die Menschen, die etwas wagen, die scheinbar Unmögliches möglich machen“, so der Tenor des IHVO-Präsidenten – verbunden mit einem Dank an die Sponsoring-Partner des Abends: Sonderegger Reinigungen, CWA, Emmenegger Fides, Garage Härtsch, Baloise und Mosaik.

In seinem Vortrag nahm Heer das Publikum mit auf 99 Tage und rund 45’000 Kilometer Weltumsegelung: vom emotionalen Start in Les Sables-d’Olonne über Stürme mit bis zu 78 Knoten Wind und 10-Meter-Wellen, Motorenreparatur bei sieben Metern Seegang, die Passage von Point Nemo samt Eisberg-Begegnung bis zum erlösenden Runden von Kap Hoorn.

Oliver Heer, in Rapperswil aufgewachsen, ist heute Profisegler, Coach und Kampagnenleiter in Personalunion. In eindringlichen Bildern, Videos und präzisen Zahlen öffnete er den Blick in die Welt der IMOCA-Klasse – 20 Meter Carbon, 30 Meter Mast, bis zu 630 Quadratmeter Segelfläche, kein Bett, keine Dusche, kein Komfort. „Ich schlafe vier bis sechs Stunden pro Tag, nie länger als 40 Minuten am Stück. Der Autopilot steuert, ich entscheide – und ich repariere, was garantiert kaputtgeht“, sagte Heer.

Seine Vendée Globe 2024/25 fuhr er mit einem der ältesten Boote der Flotte – und schrieb doch Geschichte: 99 Tage nonstop, Platz 29 von 40 und als 99. und 1. deutschschweizer Finisher überhaupt seit Bestehen des härtesten Einhandrennens der Welt. „Bis heute waren über 5000 Menschen auf dem Everest und über 500 im All – aber nur gut 100 segelten allein, nonstop um die Welt“, ordnete Heer ein.

Packend schilderte er Schlüsselmomente: - Der „Radical Acceptance“-Moment vor Kapstadt: ein gefluteter Generator, Salzwasser im Motor, Starter defekt – und vier Stunden später schnurrt die Maschine wieder. „Erst wenn man die Lage radikal ehrlich akzeptiert, findet man die Energie für Lösungen.“ - Point Nemo, der einsamste Punkt des Planeten: Eismeldung, Alarm, ein 350 Meter langer Eisberg bei Schneefall und null Grad. „Angst ist kein Gegner, sondern ein Ressourcenzugang – sie schärft den Sinn fürs Richtige.“ - Kap Hoorn im Sturm: Böen bis 78 Knoten, Wellen bis 10,5 Meter. „Ein Meilenstein – mental ein Neubeginn nach Wochen im Südpolarmeer.“

Heer legte offen, was Spitzenleistung verlangt: Hard Skills von Wetteranalyse bis Bordelektronik – und vor allem mentale Stärke: Resilienz mit dem Bewusstsein für den gegenwärtigen Augenblick, Fokus auf das Richtige, Timing („Wichtige Arbeiten erledigt man, ehe sie dringend werden“) und die klare Differenzierung zwischen „allein“ und „einsam“ sein. Seine Toolbox entwickelte er mit Leadership-Coach Dr. Wolfgang Jenewein. „Unser Sport spielt zu einem grossen Teil zwischen den Ohren.“

Auch das Unternehmertum auf See blieb nicht unerwähnt: Etliche herausfordernde Qualifikations- und Selektionsprozesse für die Teilnahme, Budgetspannen von vier bis über dreissig Millionen für vier Jahre (4 Mio. CHF für seine Kampagne vs. 30+ Mio. bei Topteams), allfälliger Bootsbau nicht inkludiert – und die nüchterne Erkenntnis, dass Preisgelder alleine in diesem Sport keine Business-Case-Frage lösen. „Wir führen eine Kampagne wie eine Firma: mit Zielen, KPIs und Verantwortung für Team, Partner und Ergebnis.

Kleine Bemerkung an Rande: Die Gewinnung von Trinkwasser aus Meerwasser erfolgt auf fast allen Schiffen mittels eines Gerätes aus Schweizer Produktion.

Der Blick nach vorn ist klar: 2028 will Heer wieder an den Start – diesmal mit einem wettbewerbsfähigen Boot und dem Ziel, 20 Tage schneller zu sein. „Aufgeben ist nie eine Option – bis es die einzige ist.“ Die grösste Erleichterung nach 99 Tagen? „Die Verantwortung fürs Schiff abgeben zu können.“ Die grösste Lehre? Demut – und die Gewissheit, dass mit dem richtigen Mindset fast alles möglich ist.

„Solche Geschichten sind ein Lehrstück für Führung, Unternehmertum und Teamkultur“, betonte Lukas Probst, Organisator der Herbstversammlung seitens Industrie- und Handelsverein Region Olten zum Abschluss. „Wer Sturm, Schlafmangel und Unwägbarkeiten in Leistung verwandelt, zeigt: Exzellenz ist eine Haltung.“

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